Burschenschaft Frankonia Heidelberg

Häuser

Das Frankenhaus - seit 110 Jahren unverändert


Das 147. Stiftungsfest der Burschenschaft Frankonia zu Heidelberg im Jahre war gleichzeitig das 110. Hausfest der ältesten Heidelberger DB Burschenschaft. Von den vielen Heidelberger Studentenverbindungen haben neben der Frankonia nur weitere sieben ihr Haus selbst geplant und erbaut. Alle anderen haben ihre Häuser erworben. Sie war die 6. Burschenschaft die in Deutschland ihr eigenes Haus nach eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen plante und errichtete.

Das 500jährige Universitätsjubiläum im Jahre 1886 hatte man noch in „drangvoller Enge“ in den angemieteten Räumen des damaligen Verkehrslokals, der Diemerei (Schloßberg 9) verbracht. Die im Jahre 1699 bereits erwähnte Biersierei wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen und an ihre Stelle die Villa Hochschwender errichtet. Innerhalb der Frankonia wurde bereits 1887 mit den Sammlungen begonnen und 1892 zum Zwecke des Neubaues eine Aktiengesellschaft gegründet, die im August des Jahres das Baugesuch einreichte.

Der ursprüngliche Garten und Bauplatz der 1096 Quadratmeter umfaßte, kostete 15 000 Mark und reichte von der Oberen Faulen Pelzgasse bis an den damaligen Neuen Schloßweg. An beiden Straßen war das Grundstück 25 Meter breit. Deshalb ging das Haus mit seinen rund 20 Metern über die ganze Grundstücksbreite. Das östliche Nachbargrundstück gehörte damals einem O. Jäger, das westliche einem A. Dietzsch, der später einen Prof. A. Ehret verkaufte. Beide Nachbargrundstücke waren damals zur Oberen Faulen Pelzgasse hin bebaut.

Die Baupläne stammten von Johann Remmler, der zu den bekanntesten freien Heidelberger Architekten seiner Zeit gehörte. Von ihm sind noch sein Wohnhaus (Neue Schloßstr. 38), das Südanbau an die Villa Passow bzw. Villa Vulpius (Gaisbergstr. 55) und das Wohnhaus in der Blumenstr. 7 erhalten. Probleme gab es mit der seit 1873 bestehenden Bauflucht und der Tatsache, daß gerade unter dem Bauplatz der 1862 eingeweihte Schloßbergtunnel verläuft. Remmler ließ einen Schacht bis zum Gewölbescheitel des Tunnels graben und bestätigte daraufhin, daß der Baugrund vorzüglich sei, keine wasserführenden Schichten trage und daß der Erdkörper satt d.h. ohne Hohlräume auf dem Gewölbe aufsitze.

Wegen des Tunnels mußte von der Bauflucht geringfügig abgewichen werden, wogegen das Bezirksamt Heidelberg keine Einwände hatte. Am 22. September 1892 erteilte der Stadtrat der Stadt Heidelberg der Aktiengesellschaft für ein „Kneiphaus für die Burschenschaft Frankonia Heidelberg“ die notwendige Baugenehmigung und tags darauf berichtete Remmler, daß man mit dem Neubau begonnen habe.

Geringfügige Änderungen gab es am Treppenturm, der während des Baues einen hölzernen Laufgang erhielt, von dem man einen wunderbaren Blick nach Westen in die Rheinebene bis an die Berge der Haardt, nach Osten zum Schloß und in das Neckartal und über die Altstadt zum Heiligen Berg hin hat. Der Turm erhielt statt des ursprünglich geplanten Spitzdaches ein Zwiebeldach mit Holzschindel - Verschalung.

Bereits am 21. Mai 1893 feierte man die Einweihung des Frankenhauses, obwohl die Innenräume dem Bericht eines Bundesbruders zur Folge noch nicht getüncht, zum Teil auch noch nicht verputzt waren. Er schrieb: „Das neue Haus hat seine Wände und Treppenstufen über und über mit Tannen- und Birkengrün verhüllt, nur der Saal war ganz fertig“. Nach dem Einweihungsfest wurden noch kleinere Veränderungen im bauplastischen Schmuck vorgenommen. Die ursprünglich geplante Ritterfigur auf dem Südgiebel wurde durch einen schlichteren Kugelaufsatz wie auf der Nordgiebelseite ersetzt.

In den vergangenen 110 Jahren gab es nur zwei kleinere bauliche Veränderungen. Zum einen wurde die offene Veranda der Westseite des Hauses im Jahre 1908 zum sogenannten Scheffelzimmer umgestaltet. Später wurde der an der Ostseite gelegene Eingang des Hauses durch einen kleinen Garderobenvorbau erweitert. Ansonsten
zeigt sich das Haus in unveränderter Form.

Finanzierung und Bau des Hauses gingen in einer beachtlichen Schnelligkeit vor sich, so daß ein Bundesbruder Anfang der 20. Jahrhunderts nicht ohne Stolz feststellte „das ganz Frankenhaus mit Garten haben 1887 bis 1906 193 Heidelberger Franken mit 107 103,79 Mark bezahlt“. Zum Haus gehört der große gepflegte Frankengarten, der sich über den Hang des Schloßberges bis hinunter zum Faulen Pelz erstreckt.

Tritt man durch die Eingangstür des Frankenhauses, gelangt man zunächst i n die geräumige Diele, von der zunächst das Chargen- und das Konventszimmer links abgehen. In Letzterem befinden sich an der Wandvertäfelung viele Erinnerungsbilder und ein Bilderzyklus über den Jenenser Studenten Carl Ludwig Sand. Geradeaus nach Westen schließt sich die sog. Kleine Kneipe an, deren Wände die Couleurbilder aller Heidelberger Franken, alte Mensur- und Heidelberg Stiche und Regale mit Humpen und Kommersbüchern schmücken. Links betritt man durch eine Glastür die ehemalige Loggia, die nun zum Scheffel Traditionszimmer umgewandelt wurde. Viele Zeichnungen, Gedichte und Portraits von Scheffel, der Mitbegründer der zweiten Frankonia war, haben hier ihren Platz. Die Frankonia fühlt sich bis auf den heutigen Tag dem Erbe Scheffels verpflichtet und pflegt und erweitert ständig ihre Sammlungen. So hat sie z.B. im Jahre 1976 auf dem Schloß das neue Scheffeldenkmal gestiftet um die Erinnerung an diesen berühmten Franken wach zu halten.

Über die Treppe, die auf dem Absatz das Wappenfenster der Frankonia zeigt, gelangt man in die sog. Große Kneipe, den großen Festsaal mit seiner acht Meter hohen, mächtigen Gewölbedecke, die mit hölzernem, bemaltem Tafelwerk verschalt ist. Aus den mit dunklem Eichenholz bedeckten Wänden erhellen an der westlichen Stirnwand und an den beiden anderen Seiten vier über drei Meter hohe bunte Glasfenster von Adolf Münzer den Raum mit einem wunderbaren farbigen Licht. An der Stirnwand ist rechts das sog Wartburgfenster, das einen Burschenschafter zu Pferd in originaler Gewandung zeigt und daneben die Fahne der Urburschenschaft. Rechts daneben das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig mit dem Wahlspruch der Frankonia „Einig und treu“.

An die Südseite des Raumes befindet sich das Fenster zu Ehren der Gefallenen des ersten Weltkrieges. Das Fenster an der Nordseite, ist, da es aus der Zeit des Hausbaues stammt das älteste. Es trägt in der Mitte das Wappen der Frankonia, rechts den Reichsadler und links das Wappen der Pfalz. In einer Kartusche im unteren Teil des Fensters werden die Stifter genannt; dort heißt es "Daß dieses Haus entstand, danken wir der rastlosen Tätigkeit unserer Alten Herren E. Leonhard, Schacht, Krastel, Mönckeberg, Gillet, Droste und Henneberg" Wervolle Holz- und Schnitzarbeiten komplettieren das Mobiliar des großen Frankensaales.

Das Haus der Burschenschaft Frankonia enthält Traditionswerte zur studentischen und burschenschaftlichen Geschichte und zur Geschichte der Stadt und Universität Heidelberg in solch einer Fülle, wie sie nur wenige andere Häuser vorweisen können.

Im Wintersemester 1983/84 wurde östlich neben dem Frankenhaus in Anwesenheit von Magnifizenz Prof. Dr. Freiherr zu Putlitz und des Oberbürgermeistes Zundel das neue Frankenwohnheim mit seinen 8 Doppelappartements eingeweiht. Trotz seiner modernen Architektur schließt es sich in seiner Gesamtdimension und seinem Aufriß harmonisch an das alte Gebäude an und bildet mit diesem zusammen eine harmonische und
stilvolle Einheit.


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